Glasatelier Dold
100 Jahre Glasmalereidynastie
2004 eröffnete Aline Dold nach ihren Lehr- und Wanderjahren in Lausanne, Canterbury und Köln ihr Glasatelier in Winterthur. Ein guter Entscheid, wie sie heute rückblickend sagt.
Seither hat sie Meilensteine gesetzt, etwa mit dem Dürrenmatt-Fenster (2008), an wichtigen internationalen Projekten mitgearbeitet und die europaweit bedeutendste Scheibensammlung im Rathaus Stein am Rhein restauriert.
Nationale und internationale Tätigkeit

2011 beschädigte ein Hagelschaden das Fenster in der Stiftskirche Notre-Dame de l'Assomption in Romont FR. Nach ausgiebigen Debatten innerhalb der Denkmalpflege stand fest: Das Fenster des bekannten Malers Alexandre Cingria sollte nicht sichtbar geflickt, sondern in Annäherung an seinen Malstil restauriert werden.
Die Schwierigkeit lag darin, Cingrias spontanen Malstil in Kombination mit seiner komplexen Technik wiederherzustellen. Cingria hatte nicht nur Vorder- und Rückseite einer Glasscheibe bemalt, sondern auf zwei Scheiben gemalt, um die Tiefenwirkung zu verdoppeln. Der Hagel hatte einzelne Partien bis zur Unkenntlichkeit zerstört, in tausend Stücke zersplittert. Eine gute Vorlage oder Farbfotografie gab es nicht. Es war ein Puzzle. Aline Dold gelang es, Konturstriche, Farbverläufe und Glasstufenätzungen originalgetreu nachzubilden.
Über vier Monate beschäftigte sie zudem die Restaurierung der europaweit bedeutendsten Scheibensammlung im Rathaus Stein am Rhein.
Das Dürrenmatt-Fenster
Sich in die Gefühle des Künstlers hineinzuversetzen, um ein Ganzes zu erreichen, ist entscheidend. Dieser Herausforderung stellte sich Aline Dold 2008 bei der Neuschaffung von Friedrich Dürrenmatts Kirchenfenster in Konolfingen. Ein Jahr zuvor war Charlotte Kerr, die Witwe des Dichters und Zeichners, mit dem Wunsch an die Kirchgemeinde gelangt, der Kirche ein Fenster nach einer Federzeichnung Dürrenmatts zu stiften.
Aus dem Wettbewerb, dessen Bedingung es war, weder Farbe noch Form zu verändern, ging Aline Dolds Arbeit aus fünf Vorschlägen als Siegerprojekt hervor. Im Auftrag des Schweizerischen Fachverbands für Glasmalerei und unter der Leitung von Glasmaler Werner Weyhe gestaltete sie ein in Grautönen gehaltenes Fenster. Vorlage war die Federzeichnung «Apokalypse II», die Dürrenmatt kurz vor seinem Tod 1989 vollendet hatte: ein biblisches Bild der Hoffnung auf die Auferstehung am Ende aller Tage.
«Hätte Dürrenmatt zu Lebzeiten ein Fenster von seiner Zeichnung anfertigen lassen, dann hätte er das genau so umgesetzt.»
Netzwerk und neue Techniken
Netzwerk und Austausch über neue Techniken sind für die Glasmalerin von grosser Bedeutung. Als Vertreterin der Glasmalerei in der Schweiz wirkte sie an der internationalen Studie «Epoxidharz» mit. Ziel war es, geeignete Kunstharze für das Kleben bei der Restaurierung von Glasscheiben zu entwickeln. Beteiligt waren Fachleute aus renommierten Häusern in Köln, Canterbury, Glasgow und Triest.
Eigene Projekte
2016 und 2017 waren intensive Jahre. Neben dem Umzug von Dinhard nach Seuzach gestaltete die Künstlerin zwei Skulpturen für Privatkunden aus Seuzach und Welsikon. Erstmals schmolz sie 35 Kilogramm Glas an einem Stück; der Prozess dauerte über zehn Tage. Auch eine grössere Ausstellung für die Zürcher Kantonalbank fällt in diese Zeit. Kleinere Aufträge wie Wappenscheiben, Schriftenmalereien und eigene Kreationen gehen mit den übrigen Arbeiten einher.
Weiterbildung und persönliches Engagement
2007 bis 2009 und 2012 bildete sich Aline Dold zur Kunst-, Mal- und Gestaltungstherapeutin aus. Ziel war nicht eine therapeutische Tätigkeit, sondern ihre Vision, die Verbindung zwischen künstlerischem Schaffen und dem Menschen neu zu beleben, als Dialog mit der Seele.
«Jeder Mensch hat künstlerische Fähigkeiten, ob beim Anziehen, Dekorieren, Schreiben oder Kochen. Kreativität ist für jedermann erlernbar. Im kreativen Schaffen liegt das unendliche Potenzial jedes Einzelnen.»